Wissenschaft und Hochschule sind seit der Mitte des 20. Jahrhunderts gesellschaftlich immer bedeutsamer geworden, geradezu wie von Auguste Comte, dem Gründer der Soziologie, bereits Mitte des 19. Jahrhunderts vorausgesagt. Allerdings wird die gestiegene gesellschaftliche Bedeutung zunehmend kritisiert – bis hin zu Attacken gegen einzelne Wissenschaftler:innen, Forschungsgebiete (z.B. Klimaforschung) und wissenschaftliche Institutionen. Soziologisch war dies zu erwarten: Denn je gesellschaftsprägender Wissenschaft und Hochschule werden, desto mehr entzünden sich an ihnen soziale und politische Auseinandersetzungen. Erst wenn beides zusammentrifft, so unsere Forschungshypothese, befinden wir uns in einer Wissensgesellschaft.
Der Profilbereich untersucht in vier Frageblöcke: 1) Wie wirken sich die sozialen Kontexte, in denen Wissenschaft und Hochschule stattfinden auf die Generierung wissenschaftlichen Wissens und auf hochschulische Bildungsprozesse aus? 2) Wie gestaltet sich das Verhältnis von Wissenschaft und Hochschule zu anderen sozialen Feldern, wie sind Hochschule und Wissenschaft intern organisiert, wie kann die Unabhängigkeit von Wissenschaft trotz massiver Angriffe gesichert werden? 3) In welcher Weise sind Hochschule und Wissenschaft an Prozessen der Herstellung sozialer Strukturen und Ungleichheitsverhältnisse beteiligt und welche Rückwirkungen hat dies auf ihre gesellschaftliche Stellung? 4) Welche Normierungs- und Legitimationsprozesse gehen von Wissenschaft und Hochschule aus und welche werden gesellschaftlich an sie herangetragen?