Wie verfasse ich eine Hausarbeit?

Das Ziel einer Hausarbeit ist es, eine selbst gewählte Fragestellung aus dem Themenbereich einer Lehrveranstaltung und unter Rückgriff auf wissenschaftliche Beiträge zum Thema zu diskutieren und zu beantworten. Dafür nutzen Sie Primär- und Sekundärliteratur. Gerade wenn Sie aktuelle Fragestellungen bearbeiten oder im Rahmen von Hausarbeiten in den  fortgeschrittenen Semestern haben die Beiträge und Debatten in wissenschaftlichen Fachzeitschriften oft große Bedeutung.

In den folgenden Absätzen finden Sie einige Hinweise zu wichtigen Elementen einer Hausarbeit.

 

1. Fragestellung

Bei einer Hausarbeit geht es darum, ein Phänomen auf Basis einer Fragestellung zu untersuchen. Sie ist ein zentrales Element, da sie den Untersuchungsrahmen vorgibt, aus dem sich wiederum der Aufbau der Argumentation ableitet. Unabhängig davon, welches Feld Sie untersuchen – sei es Digitalisierung, Globalisierung oder die Dynamiken innerhalb einer Institution –, ist es zwingend notwendig, sich auf bestimmte Aspekte zu konzentrieren. Andere Aspekte, die ggf. ebenfalls interessant oder wichtig sind, werden dadurch bewusst vernachlässigt. Diese Reduktion der Komplexität ist dennoch notwendig, um sinnvolle und begründete Aussagen über den Gegenstand treffen zu können. Ggf. ist es notwendig eine Fragstellung im Laufe der Untersuchung anzupassen, beispielsweise wenn neue Aspekte hinzukommen, die berücksichtigt werden sollten. 

Unter dem folgenden Link finden Sie ein von der ZQS entwickeltes Arbeitsblatt. Der „Dreischritt” hilft Ihnen dabei, eine wissenschaftliche Fragestellung zu entwickeln.

 

2. Forschungsdesign

Die Fragestellung bildet die Grundlage für die Entscheidung darüber, wie Sie das Problem adressieren wollen. Das beinhaltet auch die Argumentationsschritte und den Aufbau der Arbeit. grundsätzlich kann man unterschiedliche Herangehensweisen unterscheiden. Möglich ist es beispielsweise die Plausibilität einer These oder einer Theorie anhand unterschiedlicher theoretischer Perspektiven zu diskutieren oder ein empirisches Beispiel daraufhin zu prüfen, inwieweit die Theorie dadurch bestätigt oder irritiert wird. Denkbar sind auch Forschungsdesigns, die unterschiedliche Fälle vergleichen um Unterschiede und Gemeinsamkeiten besser zu verstehen. Wichtig ist es in jedem Falle nicht (nur) deskriptiv zu arbeiten, sondern eine problemorientierte Fragestellung zu formulieren, um so unterschiedliche Aspekte des Phänomens herausarbeiten zu können (z.B. "Warum?" anstatt "Wie?").

Beachten Sie, dass es nötig ist einen Theoriebezug herzustellen. Theorien weisen über Einzelfälle hinaus und dienen dazu empirische Beobachtungen zu systematisieren und zu erklären. Theorie und Emprie stehen dabei idealerweise in einem Wechselverhältnis zueinander, d.h. es kann auch sinnvoll und notwendig sein, die Theorie auf Basis der Empirie zu kritisieren oder zu verändern. Forschungsdesigns können insofern durch die Theorie angeleitet sein, andere Arbeiten sind darauf ausgerichtet Theorien zu bilden, zu testen oder weiterzuentwickeln. 

 

4. Vorgehen

Wenn Sie Fragestellung, Design Ihrer Arbeit und die Art des Theoriebezugs festgelegt haben, müssen Sie entscheiden, in welchen Schritten Sie Ihre Argumentation entfalten wollen. Daraus ergibt sich dann die Gliederung Ihrer Arbeit. Wichtig ist, dass die Einzelschritte an einem 'roten Faden' hängen und in Bezug zueinander stehen. 

  • Gliedern Sie den Hauptteil Ihrer Arbeit in mehrere (etwa 2-4) größere Sinnabschnitte, die jeweils einen zentralen Argumentationsschritt bearbeiten. Längere Abschnitte können ggf. in Unterabschnitte untergliedert werden.
  • Gliedern Sie Ihre Arbeit aber nicht in zu kleine Bestandteile. Jeder Gliederungspunkt soll einen Teilargumentationsschritt entfalten – und das lässt sich in einem Absatz nicht bewerkstelligen. Als Richtwert kann gelten: Keine Sinneinheit unter einer Seite Textlänge. Legen Sie bei Bedarf zu kleine Abschnitte zu größeren Sinneinheiten zusammen.
  • Prüfen Sie den Gehalt jedes Abschnittes, ggf. jedes Unterabschnittes, für die Gesamtargumentation der Arbeit: Welcher Teilfrage geht der Abschnitt nach ? Inwiefern ist das im Rahmen Ihrer Arbeit notwendig (erkenntnisfördernd) ? Welches für die Arbeit relevante Teilergebnis wird gewonnen ? Es hilft Ihnen und dem Leser, wenn Sie Teilfragen am Anfang und Teilergebnisse am Ende explizieren. Schwierigkeiten bei der Explikation weisen in der Regel auf konzeptuelle Probleme hin. Ein Abschnitt, dessen Beitrag zur Gesamtargumentation unklar ist, kann entweder ganz entfallen oder er muss entsprechend 'umgeschrieben' werden.
  • Prüfen Sie den Zusammenhang ihrer Abschnitte sowie ggf. ihrer Unterabschnitte innerhalb eines Abschnitts: Bereitet der vorausgehende Abschnitt den nachfolgenden vor ? Erscheinen die Argumentationsschritte in der richtigen Reihenfolge? Wiederholungen im Text deuten in der Regel auf eine unklare oder problematische Gliederung hin.

 

5. Literaturauswahl

Der wissenschaftliche Erkenntnisfortschritt erfolgt in der Regel nicht durch die Entwicklung isolierter Ideen, sondern eingebettet in die jeweils aktuelle wissenschaftliche Diskussion. Die sinnvolle Bearbeitung eines Themas setzt deshalb zum einen die Kenntnis relevanter Informationen (z.B. Daten und Fakten, Verträge, Stellungnahmen von Staaten oder Parteivertretern) und zum anderen einen möglichst intensiven Bezug auf die jeweils relevante wissenschaftliche Literatur voraus. Welche Informationen und welche wissenschaftlichen Diskussionen für Sie von Bedeutung sind, hängt in erster Linie von dem gewählten Thema ab. Allgemein lässt sich jedoch folgendes sagen:

  • Beschränken Sie sich weder auf Beschreibungen bestimmter Entwicklungen oder Ereignisse noch auf Bücher, sondern gehen Sie von wissenschaftlichen Aufsätzen aus, die in angesehenen Zeitschriften erscheinen (z.B. Zeitschrift für Soziologie, Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, American Journal of Sociology ...).
  • Beschränken Sie sich nicht allein auf deutschsprachige Literatur.

 

6. Bestandteile der Arbeit:

  • Titelblatt
  • Inhaltsverzeichnis
  • Einleitung
  • Hauptteil
  • Schluss

Einleitung:

  • Erläuterung des Themas und Relevanz: Was ist das Themenfeld? Welche Positionen gibt es ggf. zu einer Frage? Warum ist es wichtig sich damit zu befassen?
  • Fragestellung: Welche Fragestellung ergibt sich daraus?
  • Aufbau der Arbeit: Wie soll die Frage beantwortet werden?

Hauptteil:

  • Theoretische Einbettung: Diskussion zentraler Konzepte mit Blick auf ihre Anwendung in der vorliegenden Arbeit

  • Diskussion und Analyse: z.B. Plausibilitätsdiskussion anhand eines Beispiel, Gegenüberstellung von Theorien u.s.w.

  • Die Trennung zwischen der Darstellung von Ideen anderer und der eigenen Diskussion ist wichtig und funktioniert a) formal (z.B. durch Quellenangaben) und b) durch eindeutige Trennungen von eigener Kritik und den Ideen anderer im Text.Schluss

Schluss:

  • Zusammenfassung der zentralen Argumentationsschritte: Was war die Frage? Wie wurde sie beantwortet? Welche Erkenntnisse ergeben sich daraus? Inwieweit konnte die Frage so beantwortet werden?
  • Zusammenfassung offener Fragen: Welche Aspekte konnten nicht beantwortet werden?
  • Zusammenfassung eigener Begrenzungen: Welche Aspekte konnten (z.B. in dem begrenzten Rahmen) nicht thematisiert werden.
  • Ausblick: Wo wurde weiterer Forschungsbedarf festgestellt?

 

Literaturtipp für Abschlussarbeiten:

Eco, Umberto 2007: Wie man eine wissenschaftliche Abschlussarbeit schreibt. 12. Aufl. Heidelberg: UTB

 

 

Formale Hinweise

Allgemeine Hinweise

  • Hausarbeiten können Sie online (als PDF-Datei per E-Mail), postalisch oder persönlich abgeben. Achten Sie darauf, die Eigenständigkeitserklärung als letzte Seite der Datei bei der Online-Abgabe beizufügen. Die Abgabefristen müssen eingehalten werden, wobei bei der Online-Abgabe der Zeitstempel der E-Mail und bei der postalischen oder persönlichen Abgabe der jeweilige Stempel als Abgabedatum gilt.
  • Online Abgabe unter pruefungsarbeiten@ish.uni-hannover.de
  • Beachten Sie, dass die Arbeiten korrekt formatiert sind. Standartschriftarten sind Arial (11-Punkt) sowie Times New Roman (12-Punkt). Der Abstand zwischen den Zeilen beträgt 1,5 Zeilen. Denken Sie an einen ausreichenden Korrekturrand; folgende Seitenränder sind üblich: oben - 2,5, unten - 2, links - 3-4, rechts - 2,5. Fragen Sie im Zweifel Ihre Dozierenden.
  • Das Deckblatt enthält folgende Angaben: Universität, Institut, Titel der Lehrveranstaltung, Name der lehrenden Person, Thema der Arbeit, Name, Matrikelnummer und Email-Adresse der Verfasserin bzw. des Verfassers, Studienfach und Studiensemester. 
  • Zu Beginn jeder Arbeit steht ein Inhaltsverzeichnis, in dem sämtliche Kapitel und Unterkapitel aufgeführt und mit Seitenzahlen versehen sind. Die Angaben im Inhaltsverzeichnis entsprechen den Kapitelüberschriften. 
  • Hervorhebungen im Text sollen kursiv gesetzt werden.
  • Anmerkungen werden als Fußnoten, das heißt durch hochgestellte Ziffern ohne Klammern gekennzeich­net. Bezieht sich die Anmerkung auf einen Satz, bzw. Abschnitt, steht Anmerkungsziffer hinter dem Punkt, ansonsten z.B. hinter einen Begriff oder Konzeot, das erläutert wird. Wichtig: Fußnoten werden für notwendige inhaltliche Ergänzungen und nicht für Literaturangaben genutzt. Setzen Sie sie sparsam ein. Anmer­kungsziffer und Anmerkungen: 10- Punkt, Zeilenabstand 1 Zeile.
  • Tabellen und Abbildungen werden fortlaufend nummeriert.

 

Zitierweisen in wissenschaftlichen Texten am ISH:

Anmerkung: Da Zitierweisen in der Wissenschaft variieren können, handelt es sich bei den folgenden Hinweisen um Vorschläge. Fragen Sie im Zweifelsfall Ihre Dozierenden, ob es arbeitsbereichspezifische Vorgaben gibt. 

  • Literaturhinweise werden in Form von  eingeklammerten Verweisen auf das Literatur­verzeichnis direkt in den Text eingearbeitet. Dabei werden der Nachnahme des Autors/der Autorin, das Erscheinungsjahr und ggf. der Seitenbereich (sofern es sich nicht um den gesamten Text handelt) angegeben. Direkte Zitate werden entsprechend gekennzeichnet. Indirekte Zitate werden durch ein "vgl." vor der Quelle ergänzt. Fehlt die Angabe des Erscheinungsjahres, setzt man stattdessen "o. J." (ohne Jahr) ein. Beispiele:
    • Yuval-Davis setzt sich mit politischen Diskursen um Zugehörigkeit auseinander (vgl. Yuval-Davis 2011).
    • Für Ulrich Beck meint reflexive Modernisierung unter anderem die Radikalisierung der Moderne im Sinne eines Aufbrechens der dort etablierten Strukturen und Prämissen (vgl. Beck 1994: 3).
    • Für Uwe Flick spielt die Einhaltung von Gütekriterien in der Sozialforschung eine herausragende Rolle, wie er gleich zu Beginn seines Aufsatzes betont: "Gütekriterien sind ein zentrales Thema für die Sozialforschung insgesamt. Intern wird damit die Erkenntnisleistung bestimmter Teildisziplinen bzw. -bereiche bewertet. Extern dienen sie der Legitimation von Erkenntnissen und Vorgehensweisen." (Flick 2018: 183)
  • Werden mehrere Werke zitiert, steht zwischen verschiedenen Autoren ein Semikolon, bei mehrfacher Zitierung desselben Autors ein Komma.
    • (vgl. Bourdieu 1994; Lindemann 2011)
    • (vgl. Turner 2006, 2016) 
  • Zitate werden durch Anführungszeichen gekennzeichnet. Sofern sie mehr als zwei Zeilen umfassen, werden sie eingerückt und einzeilig geschrieben.  
  • Auslassungen und eigene Anmerkungen werden durch eckige Klammern kenntlich gemacht [...].
  • Der Hinweis "ebd." (Abkürzung für ebenda) ist zu vermeiden.  Die einzige Ausnahme sind Fälle, in denen ein direkter Bezug auf das zuvor genannte Werk unmittelbar möglich ist (Nachvollziehbarkeit).
  • Wenn der Autorenname und das Buch direkt im Text genannt werden, reicht es die Seitenzahl anzufügen: "Craig Calhoun, Dilip Gaonkar und Chalres Taylor schreiben in ihrem Buch "Zerfallserscheinungen der Demokratie" (2023)..." 
  • Bei zwei Autoren wird mit Strich getrennt: (Münch/Smelser 1992: 11)
  • Bei mehr als zwei Autoren wird "et alias" (zu deutsch: "und andere") abgekürzt "et al." eingefügt: (Zapf et al. 1990)

 

Das Literaturverzeichnis 

Am Ende einer Hausarbeit befindet sich ein Literaturverzeichnis, das sämtliche zitierte Werke (Bücher, Zeitschriftenartikel, Homepages u.s.w.) enthält. Es ist  alphabetisch nach den Nachnamen der Autoren geordnet.

Die bibliographischen Angaben sollen in der nachstehenden Reihenfolge erfolgen: Autor [Name, Vor­name], Erscheinungsjahr (Erstveröffentlichungsjahr): Titel. Erscheinungsort: Verlag.

z.B.:

  • Lindner, Rolf (1990): Die Entdeckung der Stadtkultur. Soziologie aus der Erfahrung der Reportage. Frankfurt a.M.: Suhrkamp

Im Literaturverzeichnis werden alle beteiligten Autor*innen genannt, z.B.:

  • Supik, Linda; Kleinschmidt, Malte; Natarajan, Radhika; Neuburger, Tobias; Peeck-Ho, Catharina; Schröder, Christiane und Sielert, Deborah (Hrsg.) (2022): Gender, Race and Inclusive Citizenship. Dialogues about Acts and Regimes of Belonging. Wiesbaden: Springer VS

Bei Aufsätzen in Zeitschriften müssen der Name der Zeitschrift und der Jahrgang sowie die Seitenzahlen angegeben werden. z.B.

  • de Graauw, E. (2014): Municipal ID Cards for undoumented immigrants: Local bureaucratic membership in a federal system. in: Politics & Society 42(3): 309-330.

 

weitere Beispiele:

Bücher

Coleman, James S. (1990): Foundations of Social Theory. Cambridge, MA, und London: The Belknap Press. (Dt.: Grundlagen der Sozialtheorie. 3 Bde. München: Oldenbourg 1991-1992)

Pirker, Theo, M. Rainer Lepsius, Rainer Weinert und Hans-Hermann Hertle (1995): Der Plan als Befehl und Fiktion. Wirtschaftsführung in der DDR. Gespräche und Analysen. Opladen: Westdeutscher Verlag

Simmel, Georg (1989 (1900)): Philosophie des Geldes. Gesamtausgabe Bd. 6. Frankfurt a.M.: Suhrkamp

Zeitschriftenaufsätze

Häußermann, Hartmut, und Manfred Küchler (1993): Wohnen und Wählen. Zum Einfluß von Hauseigentum auf die Wahlentscheidung. In: Zeitschrift für Soziologie 22: 16-32

Portes, Alejandro, und Julia Sensenbrenner (1993): Embeddedness and Immigration: Notes on the Social Determinants of Economic Action. In: American Journal of Sociology 98: 1320-1350

Windolf, Paul, und Jürgen Beyer (1995): Kooperativer Kapitalismus. Unternehmensverflech­tungen im internationalen Vergleich. In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozial­psychologie 47: 1-36

Aufsätze aus Sammelbänden

Merton, Robert K. (1995 (1949)): Sozialstruktur und Anomie. In: Ders. (Hg.): Soziologische Theorie und soziale Struktur. Berlin, New York: de Gruyter, 115-154

Sinnott, Richard (1995): Bringing Public Opinion Back. In: Niedermayer, Oskar, und Max Kaase (Hg.): Public Opinion and International Governance. Beliefs in Government Vol. 2. Oxford, New York: Oxford University Press, 11-32

Wu, Weiping, und Shahid Yusuf (2003): Shanghai: remaking China’s future global city. In: Gugler, Josef (Hg.) 2004: World Cities beyond the West. Globalization, Development and Inequality. Cambridge: Cambridge UP, 27-58

Internetquellen

Difu (2000): Modellgebiete zur "Sozialen Stadt" und Programmbegleitung vor Ort. In: Soziale Stadt – Info 1. www.sozialestadt.de/veroeffentlichungen/newsletter/info1.pdf [Datum des Zugriffs]

Die hier dargestellte Methode der Darstellung im Literaturverezichnis  ist eine unter unterschiedlichen Möglichkeitem. Sie können auch eine andere, in den Sozialwissenchaften übliche Form wählen. Denken, Sie daran, die Literaturhinweise in jedem Falle einheitlich und entsprechend systematisch zu gestalten. Orientieren Sie sich ggf. an den Zitierweisen in wissenschaftlichen Fachzeitschriften.